Emotionen der Farben

Die immense Macht der Farben.

Ein berühmtes Bild von Barnett Newman mit dem Titel „Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?“, dessen vier Versionen Ende der 60er-Jahre entstanden sind, macht dies zweifellos anschaulich. Jede der Versionen hatte stets heftige Emotionen ausgelöst. Dabei zeigen sie nichts anderes als drei große Flächen in den drei Farben, die in dem Titel erwähnt sind. So zeigt z. B. das 13 Quadratmeter große Gemälde „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue III“ einen dünnen blauen Streifen auf der linken Seite und einen dünnen gelben Streifen auf der rechten Seite, während der Rest der Leinwand in einem leuchtenden, hellen Rotton gemalt ist.

Im Jahr 1986 wurde das Stück im Amsterdamer Kunstmuseum Stedelijk ausgestellt. Es verursachte viel Streit und heftige Reaktionen unter seinen Zuschauern. Dieser Konflikt erreichte seinen Höhepunkt, als ein Mann namens Gerard Jan van Bladeren die Ausstellung besuchte. Später beschrieb er ein Gefühl, durch das Gemälde, dessen lebendige Farbe die große Leinwand füllte, provoziert zu werden. Tatsächlich hatte es einen so starken Einfluss auf ihn, dass er die Leinwand mit einem Teppichmesser aufschlitzte und das Gemälde im wahrsten Sinne „ermordete“. Die Gesamtkosten für die Instandsetzung haben rund eine halbe Million Gulden betragen. 1982 zerbeulte in Berlin ein psychisch Kranker das Bild Nummer IV, um einen “Beitrag zur Sauberkeit” zu leisten.

Obwohl dies extreme Beispiele sind, ist es kein Geheimnis, dass Farben einen großen Einfluss auf die menschliche Psyche haben. Die Faszination um das Thema hat dazu geführt, dass das sowohl aus psychologischer Sicht, als auch in einem kulturellen und historischen Kontext untersucht wurde. Diese verwurzelte Verbindung zwischen Farbe und Emotion bestimmt täglich viele unserer Entscheidungen.  Zum Beispiel von welcher Mehlmarke wir im Supermarkt angezogen werden, bis hin zu unserer Farbwahl für die Wohnzimmervorhänge.

Dieses Gespür für Farbe in uns ist wie ein Urinstinkt. Unser Gehirn assoziiert automatisch bestimmte Farben mit bestimmten Emotionen und Eigenschaften. Marken haben dieses Phänomen ebenfalls aufgegriffen und sie verwenden bestimmte Farbtöne für ihre visuelle Identität, von ihren Logos bis zu ihrem Internetauftritt, um in uns gezielt bestimmte Emotionen hervorzurufen.

Was ist Farbpsychologie?

Farbpsychologie ist die Untersuchung der Auswirkungen von Farbe auf das menschliche Verhalten. Ziel ist es, zu verstehen, warum und wie unterschiedliche Farbtöne unsere Gefühle, unser Verhalten und unsere Entscheidungsprozesse beeinflussen. Die Farbpsychologie wird in vielen Bereichen eingesetzt: von Branding und Marketing bis hin zu Innenarchitektur, Kunst und vielem mehr. Es geht darum, die Farbe optimal zu nutzen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Die Bedeutung der Farbpsychologie im Marketing

Da die Farben einen so starken Einfluss auf unsere Emotionen haben, können sie, um den potenziellen Kunden eine bestimmte Botschaft zu vermitteln und die Wahrnehmung einer Marke zu beeinflussen, im Marketing mit Bedacht eingesetzt werden. Die Etablierung des richtigen Farbschemas beim Aufbau einer eindeutigen Markenidentität, die den Ton und die Persönlichkeit eines Unternehmens bestimmt, ist hier entscheidend. Dies gilt für alle Marketingressourcen eines Unternehmens, vom Logo-Design über den Internetauftritt, bis hin zu allen anderen visuellen Inhalten.

Foto: Alfonso Diaz

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